12/02/2019
Gastbeitrag:
Corinne Misini schreibt:
Über eine Entwicklung, die ich mit Magenschmerzen beobachte! Oder doch alles nur heisse Luft?
Im Dezember des letzten Jahres habe ich mir eine Radiosendung auf SRF 1 angehört, in welcher von den Gilets Jaunes berichtet wurde.
Eine dort mitdiskutierende Person machte die Aussage, Frankreich hätte halt lange über seine Verhältnisse gelebt. Dieser Satz lies mich aufhorchen und gleichzeitig kam mir der Gedanke, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte.
Im Jahr 2018 stellten diverse Unternehmer eine Veränderung der Zahlungsmoral ihrer Kunden fest. Die Mahnungen häuften sich und immer öfters blieben die Zahlungen wegen ellenlangen Betreibungsregistern gänzlich aus. Diese Entwicklung wurde auch seitens eines Konkursamts bestätigt. Noch nie seien so viele Konkurse (egal ob Privatpersonen oder Unternehmen betroffen waren) eröffnet worden, wie im Jahr 2018. Von den Betreibungen reden wir erst gar nicht.
Beobachtungen, die wir in unserem Geschäftsumfeld machen, deuten je länger je mehr darauf hin, dass sich die Schweizer Bevölkerung, aber insbesondere wir junge Menschen, masslos überschulden. Immer seltener treffen wir junge Leute (40 Jahre und jünger), welche wie anno dazumal, etwas auf der hohen Kante haben. Vielmehr kommen die meisten von uns am Ende des Jahres einfach mit einem blauen Auge davon und das Bankkonto glänzt mit einer sauberen Null. Diese Personen besitzen öfters Wohneigentum, geleaste Fahrzeuge und kostspielige Haustiere, weilen ein- bis zweimal in den Ferien und posten Bilder vom Auswärtsessen. Für Unvorhersehbares, wie ein schmerzender Zahn oder ein krankes Haustier, werden dann gerne mal die Eltern oder Grosseltern angepumpt.
Es gibt aber auch unzählige, Tendenz steigend, die bereits mit hohen Beträgen verschuldet sind. Und hier spreche ich nicht vom Kauf von Häusern oder geleasten Autos - dies ist bei uns bereits Standard, ganz nach dem Motto „Kaufe heute, zahle Morgen!“ Nein, ich spreche von effektiv verschuldeten Personen mit tendierender Abwärtsspirale. Personen, die nicht im Stande sind, ihre Steuern, ihre Krankenkassen, Wohnungsmieten und ihre sonstigen Verpflichtungen, die nicht mit dem täglichen Konsum in Verbindung stehen, zu begleichen.
Und während des Schreibens dieses Artikels, kommt ganz abgehetzt die Postangestellte mit zwei Stunden Verspätung. Meinen Spruch, dass es doch heute keinen Schnee habe, beantwortet sie kurz und knapp mit: „Nein, das nicht, aber 80 Betreibungen und auf allen Touren in der Stadt Solothurn insgesamt 2'000.“
Dies ist die eine Entwicklung und eine weitere solche entwickelt sich zu einem ausgewachsenen Rattenschwanz.
Wir kaufen unsere Kleider nicht mehr in den Läden vor Ort. Sondern online und meist bei ausländischen Anbietern. Beispielsweise bei diesem, mit dem schwarzen Z. Viele von uns kaufen wohl noch gerade die lebensnotwendigen Lebensmittel in unseren Lebensmittelfachgeschäften im Dorf ein. Für den grossen Einkauf reisen viele gut und gerne ins nahe Ausland. Ergo verlieren immer mehr Personen im Detailhandel ihren Job. Unsere Häuser bauen wir mit Fachkräften aus dem Ausland, die hier, Dank Personenfreizügigkeitsabkommen, für einige Monate arbeiten, um das verdiente Geld dann in ihrem Heimatland ausgeben zu können. Baumaterialien sind hier in der Schweiz viel zu teuer, also greift Herr und Frau Schweizer auf ausländische Lieferanten zurück. Da werden heute bereits komplette Fenster zum Beispiel aus Mazedonien geliefert, welche hier nur noch montiert werden müssen. Sie können es sich vorstellen: Durch Mitarbeiter aus dem Ausland. Ergo verlieren immer mehr Mitarbeiter ihre bisher sicheren Jobs in der Baubranche. Direkt auf dem Bau und bei Zulieferanten wie Fenster- und Küchenbauer etc. pp. Gerne plädieren wir auf unsere guten Schweizer Werte und wenn es ums eigene Hemd geht, ja dann ist billig gerade gut genug. Wenn nicht ich, dann bezahlts eben ein anderer.
Schwarzmalen ist nicht meine Stärke, also hoffe ich darauf, dass wir uns in Zukunft erst wieder Sachen anschaffen, wenn wir dafür gespart haben, in die Ferien reisen, wenn die aktuell offenen Rechnungen alle beglichen sind und wir unsere Schweizer Detailhändler wieder etwas mehr mit unserer Kaufkraft unterstützen. Denn wie bereits erwähnt, wir sind eine Schweiz und jeder ist irgendwo und irgendwann auf sein Gegenüber angewiesen.
MM/17.01.2019