25/02/2022
Sehr geehrte InvestorInnen, liebe KundInnen,
der gestrige Donnerstag, der 24. Februar 2022 ist ein geschichtsträchtiger Tag im negativen Sinne: Nach mehr als 75 Jahren gibt es wieder Krieg in Europa.
Das Unvorstellbare ist eingetreten, Russland geht gegen die Ukraine militärisch vor. In erster Linie ist das dramatisch für das gesamte ukrainische Volk.
Unsere Aufgabe als Ihre Finanzexperten ist es jetzt neben dem gebotenen Mitgefühl, die wirtschaftliche Situation einzuschätzen und Sie dabei zu begleiten.
Nachfolgend geben wir Ihnen unsere Einschätzung und empfehlen Ihnen vor übereilten Handlungen den Austausch mit uns und Ihren persönlichen Ansprechpartnern
zu suchen.
𝗭𝘄𝗲𝗶 𝘂𝗻𝗴𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗚𝗲𝗴𝗻𝗲𝗿
Die militärische Auseinandersetzung können wir inhaltlich nicht bewerten. Nach den allgemein zugänglichen Informationen handelt es sich aber um einen
Kampf „David gegen Goliath“. Russland ist in einer Dimension der Ukraine überlegen, dass wir heute nicht von einer langanhaltenden kriegerischen Auseinandersetzung
ausgehen. Aus unserer Sicht wird Russland künftig noch weitere Teile der Ostukraine und wohl auch die Hauptstadt Kiew besetzen und das Land destabilisieren.
Die Westmächte bereiten als Reaktion bereits drastische Sanktionen gegen Russland vor, um das Land auf diesem Weg unter Druck zu setzen.
Für uns ist die Frage aus diesem Szenario nun, welche Auswirkungen diese Strategie wohl auf die Geldmärkte haben wird.
𝗠ö𝗴𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗔𝘂𝘀𝘄𝗶𝗿𝗸𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻
[Beschreibung sinngemäß aus Finanzwoche-Report von Vermögensverwalter Dr. J. Erhardt] Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft werden auch bei drastischen Sanktionen gegen Russland mittelfristig wohl gering sein. Am stärksten ist zwar Deutschland betroffen, hat aber nur 1,9% Exportanteil Richtung Russland (die EU 1,1%). Die USA haben kaum Außenhandel mit Russland (kauften zuletzt im November russisches Öl). Kurzfristig werden Deutschland und auch Europa nicht auf den Kauf von Öl und Gas in Russland verzichten können, da so kurzfristig keine Alternativen Lieferketten aufgemacht werden. Die USA haben zwar ihre Flüssiggas-Lieferungen nach Europa auf ein neues Hoch gesteigert, liegen aber bereits am Rand der Kapazitätsgrenze. Insgesamt ist aber wohl festzuhalten dass die USA von Sanktionen gegen Russland eher profitieren werden.
𝗕𝗦𝗖 - 𝗔𝗨𝗦𝗕𝗟𝗜𝗖𝗞
Kurzfristig werden die Börsen sehr volatil bleiben, jetzt ist die Zeit der Spekulanten. Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Tage politisch bringen. Zum aktuellen Zeitpunkt lässt sich keine seriöse Markteinschätzung liefern. Sofern sich der Konflikt ausschließlich auf die Ukraine beschränken lässt, werden die wirtschaftlichen Auswirkungen durch diese Auseinandersetzung wohl eher überschaubar sein.
Was nach unserer Einschätzung wohl eher mehr Einfluss auf die Börsenentwicklungen haben wird, sind die wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA. Die Konjunktur schwächt sich dort ab, gleichzeitig befindet sich die Inflation auf einem Rekordniveau (US-Inflation im Februar wohl bei 7,9%). Sofern die FED weitere Zinsschritte als Gegenmaßnahme umsetzt, wird die Kostenbelastung für das Land aufgrund der horrenden Staatsverschuldung die Konjunktur weiter unter Druck bringen. Die Folge werden wohl wieder große Konjunkturprogramme und Zinssenkungen sein. Die Börsen werden das mit stärkeren Schwankungen quittieren.
Wir rechnen in den nächsten Wochen aber auch mit noch weiter steigenden Preisen für Rohstoffe (Öl, Gas) sowie Energie. Profitieren werden im Anlagesegment Gold/Goldaktien, aufgrund der hohen Unsicherheiten an den Märkten. Klassische ValueWerte (z.B. Energieaktien und Versorger) wirken deshalb in diesen Zeiten vermögenserhaltend, aufgrund der potentiellen Wertsteigerungen.
Wir raten vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen von übereilten Verkäufen ab! Wir empfehlen viel mehr aktuell Ruhe zu bewahren und die nächsten Tage ganz bewusst abzuwarten. Das Abschwung-Potential hatten wir vor einigen Tagen auf bis zu -15% geschätzt. Diese Einschätzung hatten wir auf einer Basis im DAX von 15.400 (15.02.2022), was einem Rückgang auf bis zu 13.000 Punkten entsprechen würde. An diesem denkwürdigen Donnerstag (24.02.2022) schloß der DAX bei 14.052 Punkten und zeigte sich damit stabiler als von uns erwartet.
In der jüngeren Vergangenheit hatten „politische Börsen“ in der Regel nur eine kurze Haltedauer. So schlimm und verwerflich auch die menschlichen Schicksale in der Ukraine sind – wir bedauern das ausordentlich – die Börsen werden sich über kurz oder lang, „leider“ nahezu ausschließlich auf die wirtschaftlichen Zahlen (z.B. Verbraucherpreisindex, Zinsenerwartungen, Wachstumsaussichten, Rohstoffpreise…..) konzentrieren.
𝙐𝙣𝙨𝙚𝙧𝙚 𝙂𝙚𝙙𝙖𝙣𝙠𝙚𝙣 𝙨𝙞𝙣𝙙 𝙗𝙚𝙞 𝙙𝙚𝙣 𝙈𝙚𝙣𝙨𝙘𝙝𝙚𝙣 𝙞𝙣 𝙙𝙚𝙣 𝙆𝙧𝙞𝙚𝙜𝙨𝙧𝙚𝙜𝙞𝙤𝙣𝙚𝙣. Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, sollten Sie weiteren Klärungsbedarf haben, wir sind gerne an Ihrer Seite!
Viele Grüße,
Christian Schwalb – Geschäftsführer
Investment-Experten-Team: Johannes Föhrweiser, Manuel Knaier, Rainer Räth, Marco Pusch