24/04/2026
𝗪𝗮𝗿𝘂𝗺 𝗵𝗮𝗯𝗲𝗻 𝗦𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿𝗯𝗲𝗿𝗮𝘁𝗲𝗿 𝗮𝗸𝘁𝘂𝗲𝗹𝗹 𝘇𝘂 𝘄𝗲𝗻𝗶𝗴 𝗳𝗿𝗲𝗶𝗲 𝗞𝗮𝗽𝗮𝘇𝗶𝘁𝗮̈𝘁𝗲𝗻 – 𝘁𝗿𝗼𝘁𝘇 𝗗𝗶𝗴𝗶𝘁𝗮𝗹𝗶𝘀𝗶𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘂𝗻𝗱 𝗞𝗜?
Oder zugespitzt: Warum werden aktuell nur noch A-Mandate angenommen?
Die Antwort liegt weniger im „Wollen“, sondern in den Abgabefristen der Abgabenordnung (AO).
Während der Corona-Pandemie wurden die Fristen für die Abgabe der Steuererklärungen ab dem Steuerjahr 2019 für steuerlich Vertretene bis zum 31. August 2021 verlängert.
Seitdem erfolgt eine stufenweise Rückführung dieser Fristverlängerungen ab dem Steuerjahr 2022 wie folgt:
• 2022: Abgabe bis 31.07.2024
• 2023: Abgabe bis 31.05.2025
• 2024: Abgabe bis 30.04.2026
• 2025: Abgabe bis 28.02.2027
Diese Entwicklung führt faktisch zu einer spürbaren Verdichtung der Arbeitslast und reduziert die real verfügbaren Bearbeitungsmonate innerhalb eines Jahres deutlich. Rechnet man Zeiten wie Urlaub, Fortbildung etc. heraus, bleiben in der Praxis maximal 10 produktive Monate pro Jahr.
Steuerberatungskanzleien sind Wirtschaftsunternehmen, die ihre Kapazitäten planen. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel führen nicht dazu, dass Kanzleien ihre Kapazitäten einfach erhöhen können.
Zusätzlich kamen in den letzten Jahren erhebliche Zusatzbelastungen für unseren Berufsstand hinzu. Zu nennen sind hier unter anderem:
• Grundsteuerreform
• Schlussabrechnungen der Corona-Wirtschaftshilfen (inkl. hoher Rückfragenintensität der Förderstellen)
Diese Aufgaben waren nicht Teil unseres regulären Alltags, binden jedoch erhebliche Kapazitäten, die in den Kanzleien nicht zusätzlich vorhanden sind.
Digitalisierung und KI sind klare Zukunftsfaktoren und werden perspektivisch entlasten. In der Praxis bedeutet deren Einführung jedoch zunächst einen erheblichen Aufwand: Prozesse müssen umgestellt, Systeme integriert und Mitarbeitende geschult werden – auch in digital aufgestellten Kanzleien.
Parallel besteht weiterhin ein spürbarer Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, auch in der Steuerberaterbranche.
Als Inhaber einer mittelständischen Kanzlei bleibt es mir nur, Danke zu sagen – für den außergewöhnlichen Einsatz meiner Mitarbeitenden für unsere Mandanten. Ebenso ein großes Dankeschön an unsere Mandanten für ihr Verständnis. 2028 ist zum Glück nicht mehr so fern 😊
Wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt, ist eine spürbare Entlastung erst in den kommenden Jahren realistisch.
Mein Wunsch an den Gesetzgeber: für das Steuerjahr 2025 die Frist nur um einen Monat auf den 31.03.2027 zu verkürzen und ab dem Steuerjahr 2026 zur regulären Frist, dem 29.02.2028, zurückzukehren. Dies würde sowohl unseren Mitarbeitenden als auch den Unternehmen helfen, die einen Steuerberater suchen.